Ideenbörse für ehrenamtliche Projekte

In der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit passiert viel Gutes, über das man bekanntlich sprechen soll! 

Innovative Ideen zur Wohnungsfindung oder zum Überbrücken von Mobilitätsbarrieren im ländlichen Raum, inspirierende Methoden fürs Kennenlernen und Aufeinanderzugehen in den Kommunen, kreative politische Aktionen, die Öffentlichkeit erregen, tolle Netzwerkarbeit auf regionaler Ebene...

Gute Ideen sind keine Einzelfälle und sollen keine sein! Damit andere Initiativen und Engagierte davon erfahren, sie übernehmen, weiterentwickeln und in ihrem Umfeld umsetzen können, möchten wir diese Seite als Plattform für Ihre Projekte und Ideen zur Verfügung stellen. Machen Sie sie publik und inspirieren Sie andere!

Projektbeispiele

Falls Sie Ihr Projekt hier veröffentlichen möchten, füllen Sie folgendes Formular aus und schicken es mitsamt ein bis zwei Fotos und/oder Pressemitteilungen an ehrenamt@asyl-rlp.org
Formular Ideenbörse

Bitte beachten Sie: Wir behalten uns vor, eine Auswahl der eingehenden Projekte zu treffen sowie redaktionelle Änderungen an den Texten vorzunehmen.

Die Börse Nachbarschaftshilfe – Flüchtlinge helfen wurde Mitte November 2016 gegründet, nachdem eine Gruppe geflüchteter Menschen, v. a. junge Syrer, am Konzept mitgearbeitet und sich zur Mitarbeit bereit gefunden hatte. Hervorgegangen ist die Börse aus dem Zukunftsteam 5 der Standortentwicklung Rockenhausen. Das Konzept wurde in verschiedenen regionalen Flüchtlingshelfergruppen vorgestellt und die daraus resultierende Kritik insbesondere hinsichtlich rechtlicher Fragen geklärt. 

Der Testlauf dauerte bis zum Januar 2017. Seither ist die Gruppe der jungen Geflüchteten sukzessive größer geworden. Im Juni 2017 zählt sie 19 Helfer*innen. Eine junge afghanische Frau und auch ein einheimischer junger Mann gehören dazu. Darüber hinaus komplettieren acht einheimische Organisator*innen, die teilweise über arabische Sprachkompetenz verfügen, die Börse.  

Mit der Börse haben geflüchtete Menschen in der Region Rockenhausen die Möglichkeit, sich ehrenamtlich nachbarschaftlich zu engagieren. Im Zuge dessen können sie ihre erworbenen Sprachkenntnisse anwenden und verbessern, Ängste und Vorurteile der Bevölkerung gegenüber Geflüchteten abbauen, ihre eigene Wartezeit bis zur Statusklärung sinnvoll füllen; sie können etwas tun!

Wir praktizieren damit einen ressourcenorientierten Ansatz und sehen die Fähigkeiten der geflüchteten Menschen. Indem sie alte Menschen, Menschen mit einer Behinderung, Alleinerziehende und andere bei der Garten- und Hausarbeit, beim Einkauf unterstützen oder einfach Gesellschaft leisten, nehmen sie einen Hilfebedarf wahr, der kaum abgedeckt, ja kaum wahrgenommen wird.  

Die Börse arbeitet gemeinwohlorientiert und gibt Nachbarschaftshilfe auf freiwilliger, unentgeltlicher und wiederkehrender Basis. Die Helfer*innen sind über das Land Rheinland-Pfalz haftpflicht- und unfallversichert („Die Initiative des Landes RLP, www.wir-tun-was.de“).  Die Börse ist Teil des „Team Direkt Help – Aktive Flüchtlingshilfe“, einer freiwilligen Initiative von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich in und um Rockenhausen im Donnersbergkreis gefunden haben. Insgesamt bündelt das Team zweierlei: Einerseits die Unterstützung von Geflüchteten beim Start in ein neues Leben, andererseits die von Einheimischen durch Geflüchtete. Die jungen Helfer*innen haben sich begeistert dem Anliegen der Börse verschrieben. Sie motivieren andere, Mitglied ihrer Gruppe zu werden. In geselligen, monatlichen Treffen tauschen sich die Mitglieder der Börse aus; nicht zuletzt wird damit Gruppenkohärenz gestiftet. Hilfeanfragen gehen telefonisch ein und werden an die WhatsApp-Gruppe Börse weitergeleitet, wer Zeit und Interesse hat, meldet sich dann. Bisher konnten alle Anfragen bearbeitet werden.
So lernen jungen Geflüchtete Einheimische kennen, mittlerweile erhalten sie teilweise selbständig die Kontakte; über das Helfen entstehen Freundschaften, Patenschaften werden eingegangen, Deutschunterricht angeboten, Spiele organisiert.

Besonders erfreulich und wichtig: Die Börse ist Sprungbrett für Praktika, Arbeitsverträge u. ä. Bei Bewerbungen oder einem benötigten Nachweis für eigenständige Integrationsbemühungen, wie es z.B. beim Härtefallantrag verlangt wird, kann eine aktive, ehrenamtliche Teilnahme, von der Börse bescheinigt, von Vorteil sein. 

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Erika Steinert 
0174 9167640
nachbarschaftshilfe.rock@gmail.com
https://teamdirecthelp.jimdo.com/nachbarschaftshilfe

 

Der Verein Auxilium Mummerum e.V. aus Mommenheim (Landkreis Mainz-Bingen) bot im August 2017 eine ganz besondere Schiffstour durch das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal an.

Geflüchtete, Unterstützer*innen und Interessierte waren eingeladen, auf der eigens dafür gecharterten MS Rheinstar von Bingen nach St. Goar zu fahren. Etwa 320 Menschen nahmen teil und erlebten gemeinsam einen wunderschönen Tag auf dem Rhein.

Um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, hatte der Verein Busse angemietet, die einen großen Teil der Teilnehmenden zum Startpunkt nach Bingen brachte.

Eine eigens für diesen Tag erstellte, mehrsprachige Broschüre enthielt viele Informationen zu Kultur und Geschichte der Region, zu den zahlreichen Burgen und weiteren Sehenswürdigkeiten entlang der Route, wie beispielsweise dem Binger Mäuseturm oder dem berühmten Loreley-Felsen. In St. Goar gab es einen längeren Aufenthalt und die Möglichkeit die Burg Rheinfels zu besichtigen oder auf eigene Faust die Stadt zu erkunden.

Auf dem Schiff gab es Spielmöglichkeiten, Kinderschminken, eine Fotoaktion für ein Gästebuch auch eine Weltkarte, auf der die Teilnehmenden ihre früheren und heutigen Wohnorte markieren konnten. Daran ließ sich auch das Einzugsgebiet gut erkennen. Aus den nahegelegenen Landkreisen Mainz-Bingen und Bad Kreuznach, aber auch aus Wiesbaden und Ludwigshafen waren Menschen mit an Bord.

Im Gegensatz zu den täglich stattfindenden Rheintouren gab es genug Platz auf dem Schiff. Man konnte sich einfach mal hier, mal dort aufhalten, sich frei auf dem Schiff bewegen. Viele nutzten diese Möglichkeit, kamen miteinander ins Gespräch, Kontakte konnten geknüpft werden. Auch das sonnige Wetter hatte sicher seinen Anteil an der guten Stimmung und lockerer Atmosphäre an Bord des Schiffes. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Der türkisch-islamische Kulturverein Bingen übernahm das Catering mit vielfältigem Essen und Getränke standen ebenfalls zur Verfügung.

Die Tickets für diese außergewöhnliche Schifffahrt konnten im Vorverkauf zu einem (Mindest-)Beitrag von 17,50 Euro gekauft werden. Kinder bis 6 Jahre fuhren kostenlos mit, für größere Familien gab es Vergünstigungen.Im Ticketpreis enthalten war der komplette Tag: Bustransfer nach Bingen, die Schifffahrt von Bingen - St. Goar - Bingen, Bustransfer und Führung Burg Rheinfels, Essen und Getränke.

Möglich machten diesen günstigen Preis verschiedene finanzielle Förderungen und unterstützende Träger:
Das Projekt „500 Landinitiativen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz, der Landkreis Mainz-Bingen. Und natürlich das große Engagement der Mitglieder des veranstaltenden Verein Auxilium Mummerum e.V..

Kontakt:

Verein Auxilium Mummerum e.V.
info@auxilium-mummerum.de

Speak-Dating ist (wie das bekanntere Speed-Dating) eine unverbindliche Möglichkeit, in relativ kurzer Zeit mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und danach zu entscheiden, wen man gerne wiedersehen möchte. Hierbei treffen 10 geflüchtete Menschen, die schon gut Deutsch sprechen und mehr Sprechpraxis brauchen auf 10 Menschen, die fließend Deutsch sprechen. Wenn sich beide Seiten sympathisch sind, kann eine sogenannte „Sprechbekanntschaft“ begonnen werden. Dabei treffen sich beide Personen 1-2 mal in der Woche für je 1-2 Stunden an einem Ort und zu einer Zeit ihrer Wahl, um sich zu unterhalten.

1. Zielgruppe(n):

Viele Geflüchtete leben mittlerweile schon längere Zeit in Deutschland und besuchen täglich Integrations- und Sprachkurse, aber haben im Alltag wenig Gelegenheiten zum Sprechen. Für die meisten ist ein kurzer Austausch an der Supermarkt-Kasse bereits der sprachliche Höhepunkt der Woche.

So kann das Gelernte schnell in Vergessenheit geraten, denn zum Erlernen einer Sprache bedarf es regelmäßige Anwendung. Umgekehrt würden viele Menschen gerne mit Geflüchteten in Kontakt kommen und ihnen zeigen, dass sie in Deutschland willkommen sind. Sie sind aber beruflich und privat so stark eingespannt, dass ihnen oft nicht die Zeit dafür bleibt.

Um diese beiden Bedürfnisse zusammen zu führen, wurde das Projekt „Speak-Dating“ etabliert. Menschen mit wenig Zeit haben dadurch die Möglichkeit Geflüchtete kennenzulernen und beim Deutsch Lernen zu unterstützen und geflüchtete Menschen bekommen Sprechgelegenheiten und mehr Kontakt zu Mitmenschen.

2. Ziel(e):

Das Ziel von Speak-Dating ist es „Sprechbekanntschaften“ zu vermitteln. Dabei treffen sich beide Personen regelmäßig 1-2 mal in der Woche für je 1-2 Stunden an einem Ort und zu einer Zeit ihrer Wahl, um sich zu unterhalten. Auf diese Weise kann die eine Person ihre Deutschkenntnisse verbessern und bereits erlernte sprachliche Fertigkeiten anwenden, was essenziell für den Lernprozess einer Sprache ist. Die andere Person kann sich so für Geflüchtete engagieren, ohne zeitaufwändige und komplizierte Arbeit - wie zum Beispiel Behördengänge oder Deutschunterricht - leisten zu müssen und kann Menschen aus aller Welt kennenlernen.

Bei der ersten Umsetzung in der Stadtbibliothek Bad Kreuznach haben wir bereits viel positive Resonanz von beiden Seiten bekommen und es haben sich einige Sprech-Tandems ergeben.

3. Einbeziehung von Geflüchteten:

Wir betrachten die Geflüchteten als Initiator*innen, da sie uns mit vermehrten Anfragen nach Sprechgelegenheiten zu der Idee des „Speak-Dating“ inspiriert haben. Sie nahmen aktiv an dem Projekt teil und unterstützten auch bei der Vorbereitung.

4. Umsetzung:

Für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts braucht es einen Raum, in dem die Teilnehmenden ungestört miteinander reden und sich kennenlernen können und ca. 3 Stunden Zeit (inkl. Pausen). Hilfreich sind Namensschilder mit Nummer und Notizzettel für jede*n, um den Überblick zu behalten. Die Gesprächszeit pro Person sollte etwa 10 Minuten betragen. Der abschließende Austausch der Kontaktdaten erfolgt über personalisierte Boxen, in die jede*r einen Zettel mit Name und Telefonnummer werfen kann. Wer sich nun bei wem meldet, steht den Teilnehmenden frei.

5. Verbesserungen:

Das Projekt könnte mit einer kleineren Gruppe durchgeführt werden, um den Teilnehmenden einen besseren Überblick zu gewährleisten und die Dauer der Veranstaltung zu verkürzen.

Kontakt:

Aktiv für Flüchtlinge in der Region Bad Kreuznach
ehrenamt@auslaenderpfarramt.de
0671 / 4837799

 

Insgesamt 14 Mädchen und Frauen aus 5 verschiedenen Ländern trafen sich an 3 Tagen in den Sommerferien, um gemeinsam Fahrrad fahren zu lernen. Ihnen zur Seite standen etwa ebenso viele Fahrrad-Freundinnen, die festhielten, neben herliefen oder einfach Mut und Lob aussprachen.

Warum ein Kurs nur für Frauen?

In einigen Ländern der Erde ist es nach wie vor nicht erlaubt, dass Frauen Fahrrad fahren. Hier in Deutschland ist es allerdings ein gängiges Verkehrsmittel und vor allem eine kostengünstige Alternative zu anderen Verkehrsmitteln. Daher ist der Wunsch der Mädchen und Frauen nur allzu verständlich, sich auch auf einem Fahrrad bewegen zu können. Die gewonnene Mobilität erleichtert perspektivisch doch den Weg zum Sprachkurs, zur Arbeit oder zum Einkaufen.

Um den weiblichen Teilnehmerinnen die Übung mit dem ungewohnten Gefährt etwas zu erleichtern, waren männliche Angehörige „nicht erwünscht“ und auch die männlichen Hände, die zu Beginn die Fahrräder ölten und in Schuss brachten, verließen nach kurzer Zeit das Gelände.

Mit viel Spaß bei der Sache

Bereits nach der ersten halben Stunde mit intensivem Festhalten, konnten sich einige der Teilnehmerinnen alleine auf dem Fahrrad fortbewegen. Daraufhin wurde die Gruppe geteilt, so dass schon erste Übungen mit Schwerpunkt Anhalten und wieder Anfahren erfolgen konnten. Im nächsten Schritt wurden dann erste Verkehrsregeln vermittelt.

Trotz einiger Blessuren, blauer Flecken und dem Einsatz der Erste-Hilfe-Tasche, überwog eindeutig der Spaß. Über den ganzen Schulhof hörte man Lachen, selbst nachdem es kurz zuvor öfter mal schepperte.

Das Projekt wurde organisiert von der Stadtjugendförderung Bad Kreuznach in Zusammenarbeit mit „Aktiv für Flüchtlinge“ und „Zuhause im Stadtteil“ und wird mit Sicherheit in irgendeiner Form weitergeführt, denn die Anmeldeliste war doppelt so lang wie die Teilnehmerinnenliste und der Erfolg des Kurses spricht für sich.

Kontakt:

Stadtjugendförderung Bad Kreuznach
Vanessa Berg
v.berg@die-muehle.net
0671 / 9200412

  

< br />