Gut zu wissen...

Das Fördermittelbüro hat ein lesenswertes Buch über das Thema Förderung im Flüchtlingsbereich herausgebracht. Jetzt ist auch die zweite Auflage (Jan 2017) online: Integration und Flüchtlingshilfe fördern lassen.

Fit für Fördermittel!

„Die richtige Finanzierung ist wichtig!“ Klingt wie ein Satz, den man eher bei einem Gespräch mit diversen Berater:innen großer Banken vermutet und weniger auf der Homepage einer Servicestelle für ehrenamtliches Engagement in der Integrationsarbeit. Dabei sind vor allem ehrenamtlich Initiativen auf eben diese „richtige Finanzierung“ angewiesen.

Da ehrenamtliche Organisationen größtenteils verdienstlos arbeiten und damit meist auch keinen Gewinn abwerfen (jedenfalls nicht in dem Umfang eines wirtschaftlichen Unternehmens!) sind Initiativen, Vereine oder andere gemeinnützige Organisationen zur Umsetzung ihrer Arbeit oder bestimmter Projekte vor allem auf finanzielle Förderung durch Fundraising angewiesen. Und da kommt es tatsächlich auf die richtige Finanzierung an.

Schon einmal vorweg: Lasst Euch von den scheinbar bürokratisch wirkenden Anforderungskriterien nicht abschrecken, sondern traut Euch. Viele Förderstellen sind oft mit weniger Text und mehr Inhalt deutlich zufriedener, als mit langen Abhandlungen. In der untenstehenden Tabelle findet Ihr Unterstützung, wie Ihr einen Förderantrag Schritt für Schritt schreiben könnt.

Hier findet Ihr vorab außerdem eine hilfreiche Förderübersicht, die wir selbst zusammengestellt haben und stetig aktualisieren. Wir erheben dabei natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

>>> Förderübersicht nach Themenschwerpunkten geordnet <<<

Für eine individuelle Beratung zu Fördermittelbeantragung und -recherche könnt Ihr Euch auch gerne an mich wenden. Ich helfe Euch gerne weiter:

Luca Giongo
Referent für Fördermittelberatung
Mail: luca.giongo@fluechtlingsrat-rlp.de
Tel.: 06131 4924736

 

Das Wort Fundraising lässt sich im Deutschen wohl am besten mit dem Begriff „Fördermittelbeschaffung“ übersetzen. Fördermittel können dabei vieles sein: Privatspenden, Sponsoring von Unternehmen oder Fördergelder von staatlichen Stellen, Stiftungen, Lotterien und anderen Organisationen.

Spenden und Sponsoring machen jährlich nur einen kleinen Teil der Fördermittel bei gemeinnützigen Organisationen aus: Jeweils 10%! Wer sich für Fundraising von Spenden interessiert, kann sich beispielsweise bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) informieren, die Anfang 2021 dazu eine Veranstaltungsreihe organisiert hat. Viele der Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und können noch im Nachhinein angesehen werden.

Den Großteil der Fördermittel gemeinnütziger Organisationen (ca. 80%) machen letztlich Finanzmittel öffentlicher und privater Förderstellen aus. Kommunen, Länder, der Bund, Stiftungen, Lotterien, Vereine und weiter Stellen vergeben für ausgewählte Projekte, die ihrem Satzungsziel entsprechen, Gelder. Diese Gelder sind freiwillige Finanzhilfen und müssen im Nachhinein nicht zurückgezahlt werden. Jedoch müssen sie (teilweise aufwändiger, teilweise weniger aufwändig) bei der jeweiligen Förderstelle erst beantragt werden.

Viele ehrenamtliche Initiativen und Vereine lassen sich von diesem Antragsprozess abschrecken und verpassen dadurch die Chance auf eben die richtige Finanzierung ihrer Arbeit. Wir helfen gerne bei der Suche geeigneter Fördermittel und bei der Antragstellung, die teilweise auch ihre Tücken hat.

Meine Kontaktdaten für eine individuelle Beratung findet Ihr oben!

Im Grunde genommen lässt sich das Beantragen von Fördergeldern in drei Schritten zusammenfassen:

  1. Vorhaben planen

  2. Fördermittel suchen

  3. Förderantrag schreiben

Innerhalb jedes Schritts des oben genannten Antragsprozesses gibt es jedoch Punkte, auf die besonders geachtet oder in die besonders gründlich investiert werden sollte, damit ein Antrag größeren Erfolg hat. Wir fassen diese hier nachfolgend in Kürze für Euch zusammen.

Bevor es in die Details des Projektkonzeptes geht, sollte man sich als Initiative oder Verein zunächst einmal die Frage stellen: Wer sind wir überhaupt und was haben wir zu bieten? Durch eine detaillierte Selbstbeschreibung kann man der jeweiligen Förderstelle vermitteln, dass man vertrauenswürdig ist, professionell arbeitet oder unter Umständen auch schon Erfahrung im angedachten Förderbereich hat. Diese Beschreibung sollte vor allem greifbare Zahlen und Fakten mit entsprechenden Nachweisen erhalten (Teamgröße, Zielgruppen, Netzwerkpartner:innen u.a.).

Als Nächstes geht es an die Bedarfsbeschreibung mit der Frage: Warum ist unser Vorhaben überhaupt notwendig? Denn wenn kein dringender Bedarf für das Projekt besteht, dann sehen die Geldgeber:innen auch keinen Grund zu fördern! Hier ist auch ein Perspektivwechsel spannend: Wie würde die Zielgruppe des Projekts ihren Bedarf beschreiben?

Förderstellen ist es sehr wichtig, dass ihr Geld auch effektiv eingesetzt wird und dass daraus eine nachhaltige Wirkung für Menschen und Umwelt resultiert. Die Wirkungsbeschreibung sollte durch belegbare Indikatoren (Wirkungsanzeiger) greifbar gemacht werden. Je stärker und nachhaltiger die Wirkung, desto attraktiver wird das Projekt für die Förderstelle. Das „Kursbuch Wirkung“ von PHINEO gibt für die richtige Einordnung von Wirkungszielen einen guten Überblick. Nachvollziehbar lassen sich Wirkungsziele auch über die SMART-Methode formulieren.

Schließlich folgt die Planbeschreibung für das Vorhaben. Hier sollte dargestellt werden, welche Angebote im Projekt durchgeführt werden (bzw. wie die Zielgruppe erreicht werden soll), welche Faktoren zur erfolgreichen Umsetzung dieser nötig sind (Räumlichkeiten, Personal, Material u. a.) und zu welcher Zeit innerhalb der Projektlaufzeit diese geplant sind. Normalerweise sind Projekte in eine Anfangsphase, eine Durchführungsphase und eine Endphase gegliedert, wodurch sich der Projektablauf gut darstellen lässt. Auch welche Öffentlichkeitsarbeit im Projekt geplant ist, ist für Förderstellen äußerst wichtig! Achtet daher auch schon während der Durchführung auf die korrekte Verwendung der Logos und eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit.

Im Zuge der einzelnen Beschreibungen sollte auch das „Alleinstellungsmerkmal“ des Projekts deutlich dargestellt werden: Was macht unser Projekt einzigartig und was hebt es von anderen Projekten ab?

Die richtige Finanzierung zu finden, kann ein Prozess sein, der einiges an Recherche und Konzentration erfordert. Wir empfehlen daher, sich dazu wirklich ein bis zwei Stunden ungestört Zeit zu nehmen und eine kleine Auswahl an geeigneten Förderstellen zusammenzustellen, an die der fertige Antrag geschickt werden soll.

Der Rechercheprozess kann dabei folgende Reihenfolge haben:

  1. Direkte Anfrage bei Förderstellen, von denen man bereits gefördert wurde

  2. Lokale Suche nach Förderstellen über Regionalzeitungen oder auf Homepages von Vereinen oder anderen Organisationen in der eigenen Stadt oder dem Landkreis

  3. Überregionale Suche nach Förderstellen über Datenbanken im Internet

Infos zu aktuellen Förderprogrammen mit Fristen im laufenden Jahr findet ihr immer auch hier auf unserer Homepage.

Für Einsteiger:innen bietet sich vor allem die Antragstellung bei Förderlotterien an, da diese sehr niedrigschwellig fördern und das Stellen des Antrags generell mit weniger Aufwand verbunden ist:

Die Lottostiftung Rheinland-Pfalz, die Aktion Mensch oder die Deutsche Postcode Lotterie kommen dafür beispielsweise besonders gut infrage.

Nachfolgend findet ihr zudem eine Auswahl an Datenbanken und Listen, die Euch die Suche nach geeigneten Fördermitteln erleichtern sollen.

Hier findet Ihr eine Förderübersicht, die wir selbst zusammengestellt haben und stetig aktualisieren (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Förderübersicht nach Themenschwerpunkten geordnet

Staatliche Förderstellen:

Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration

Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

Bundesförderdatenbank

Förderstiftungen:

Stiftungsverzeichnis des Landes Rheinland-Pfalz

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Förderstiftungen von Finanzinstituten:

Sparkassenstiftungen

Commerzbank-Stiftung

Deutsche Bank Stiftung

Hier kommt erneut die Selbst-, Bedarfs-, Wirkungs- und Planbeschreibung von weiter oben ins Spiel. Meist möchte die Förderstelle genau diese Punkte detailliert wissen und verlangt eine Darlegung im jeweiligen Antrag. Für den Hauptteil des Projektantrags lassen sich die genannten Beschreibungen daher gut zu Antworten auf die häufig gestellten Fragen von Förderstellen umformulieren:

  • Die Vertrauensfrage: Warum soll ich dir vertrauen? Hier liefert die Selbstbeschreibung eine Antwort

  • Die Bedarfsfrage: Warum ist das Vorhaben überhaupt notwendig und wie passt es zu meinen Förderzielen? Hier liefert die Bedarfsbeschreibung eine Antwort

  • Die Wirkungsfrage: Welche Wirkung erzielt das Vorhaben? Hier liefert die Wirkungsbeschreibung eine Antwort

  • Die Umsetzungsfrage: Wie wird das Vorhaben umgesetzt? Hier liefert die Planbeschreibung eine Antwort

Nachfolgend findet Ihr einige Hinweise zu Textstruktur und Formulierung des Projektantrags:

  • Formuliert selbstbewusst und kompetent sowie in kurzen, leicht verständlichen Sätzen (wenige Fachbegriffe!)

  • Baut Schlüsselbegriffe der Förderstelle ein, die Ihr auf deren Homepage oder in deren Leitbild/Satzung findet

  • Achtet auf Rechtschreib- und Grammatikfehler und lasst andere den Antrag Korrektur lesen

  • Strukturiert den Text zur Übersichtlichkeit: Nutzt Absätze, Überschriften, Aufzählungen und Spiegelstriche

  • Haltet den Text eher kurz und prägnant (haltet Euch vor allem an die Seitenvorgaben der Förderstelle!)

  • Bei der Textstruktur von längeren Absätzen gilt: Das Wichtigste zuerst und am Ende eine kurze Zusammenfassung

  • Benutzt wenn möglich Tabellen und/oder Grafiken zur Vereinfachung von Sachverhalten

  • Nutzt eine Mischung aus Zahlen und Fakten sowie externe Quellen von Expert:innen

Weitere wichtige Bestandteile des Antrags:

  • Projektname: Hier ist vor allem ein einprägsamer und prägnanter Name wichtig. Gut ist es hier beispielsweise, mit Abkürzungen oder Synonymen zu arbeiten, die im Kontext des Projekts einen Sinn ergeben, einen Wiedererkennungswert haben und freundlich klingen.

  • Zusammenfassung am Anfang: Bietet eine knappe und aussagekräftige Übersicht über Zielgruppe, Bedarfe, Wirkungsziele, Methoden und Umsetzung. Hier sollte auch schon das „Alleinstellungsmerkmal“ des Projekts hervorgehoben werden.

  • Finanzplan: Die Finanzplanung ist ein weiteres Kernstück des Antrages. Es müssen alle Ausgaben (Personal-, Sach-, Overheadkosten u. a.) und alle Einnahmen (andere Förderungen, Spenden, Eigenmittel, die beantragte Fördersumme u. a.) aufgelistet werden. Wichtig ist, dass am Ende auf beiden Seiten die identische Summe steht.

  • Letter of Interest: Eine Interessenbekundung der Kooperationspartner:innen (andere Organisationen, die Kommune u. a.) ist wichtig, da sie der Förderstelle signalisiert, dass diese auch wirklich dazu bereit sind, am Projekt mitzuwirken und es für notwendig halten.

Für Förderstellen, die ausschließlich gemeinnützige Organisationen fördern, sind besonders auch folgende Dokumente wichtig:

  • Satzung des Vereins: Die eigene Satzung zeigt der Förderstelle, dass die beantragten Fördergelder auch satzungsgemäß verwendet werden.

  • Vereinsregisterauszug: Sehr wichtig bei einem Antrag ist, dass die Unterschriftsberechtigung stimmt. Der Vereinsregisterauszug weist aus, welche Personen im Verein vertretungs- und unterschriftsberechtigt sind und zeigt der Förderstelle, dass eine berechtigte Person den Antrag unterschrieben hat.

  • Freistellungsbescheid des Finanzamtes: Der Freistellungsbescheid ist der Beweis, dass der antragstellende Verein auch gemeinnützige Zwecke verfolgt. Förderstellen, die nur gemeinnützige Organisationen fördern, benötigen daher diesen Nachweis unbedingt.

Wurde der Antrag durch die Förderstelle bewilligt und eine Fördervereinbarung getroffen, kann es mit der Durchführung des Projekts losgehen. Jedoch verlangen die meisten Förderstellen nach Abschluss des Projekts noch einen Verwendungsnachweis, um die vereinbarungsgemäße Ausgabe der Fördergelder zu überprüfen.

Wird der Verwendungsnachweis nicht vertragsgemäß erbracht, kann die Förderstelle ihr Geld sogar zurückverlangen. Der Nachweis besteht dabei meist aus den folgenden Bestandteilen, die im Detail von der jeweiligen Förderstelle vorgegeben sind:

  • Sachbericht:

    • Nachweise der Wirkungszielerreichung durch Teilnehmer:innenlisten, Presseartikel, Fotos, Protokolle von Veranstaltungen, Internetauftritt, Fragebögen, Interviews u. a.

    • Abweichungen zum ursprünglichen Projektkonzept

    • Projektevaluation, in der das Projekt analysiert und beurteilt wird. Folgende und weitere Fragen sollten dabei gestellt werden: Was wurde angeboten und was ist daraus entstanden? Was hat sich an der Situation der Zielgruppe/Beteiligten geändert? Was ist angemessen gelaufen und was hätte besser laufen können? Was kann man zukünftig daraus lernen? Wie nachhaltig ist das Projekt und wie werden Angebote auch nach Projektende weitergeführt? Unterschiedliche Leitfäden für die Projektevaluation findet Ihr hier oder hier

    • Nachweis der Öffentlichkeitsarbeit, da die meisten Förderstellen verlangen, dass man beim Gestalten von Werbematerial oder auch beim Schreiben von Artikel für das Projekt ihr Förderlogo verwendet und damit für sie wirbt. Viele Stellen knüpfen ihre Fördervoraussetzungen sogar explizit daran. Der Grund ist relativ einfach: Auch Stiftungen, Lotterien oder Ministerien wollen öffentlichkeitswirksam sein, sei es aus politischen, finanziellen oder anderen Gründen bzw. Vorteilen. Nochmal: Achtet daher auch schon während der Durchführung auf die korrekte Verwendung der Logos und eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit

  • Finanzabrechnung: Einnahmen, Ausgaben, Abweichungen zum ursprünglichen Finanzplan

  • Finanznachweis: Spendennachweise, Nachweise zu anderen Fördermitteln, Kaufbelege, Rechnungen u. a.

Anbei findet Ihr eine typische Gliederung für Euren Verwendungsnachweises:

  1. Rahmendaten des Projekts: Träger, Anschrift, Projektname, Laufzeit u. a.

  2. Projektablauf und Zielerreichung

  3. Finanzabrechnung und -nachweis mit Erläuterungen

  4. Evaluation mit Fazit und Ausblick

  5. Öffentlichkeitsarbeit und Verbreitung der Ergebnisse: Flyer, Plakate, Broschüren, Zeitungsartikel, Social Media, Multiplikator:innen u. a.