Zukunftswerkstatt Flüchtlingsarbeit: Gemeinsam Perspektiven entwickeln

Die Koordinierungsstelle „Ehrenamtliche Aktivitäten im Flüchtlingsbereich in Rheinland-Pfalz“ veranstaltet gemeinsam mit Referentin Chris Ludwig fünf Zukunftswerkstätten mit Aktiven in der Flüchtlingsarbeit. Auf regionaler Ebene kommen ehrenamtlich wie hauptamtlich Aktive und Geflüchtete ins Gespräch und erarbeiten gemeinsam Visionen sowie konkrete Maßnahmen für ihr zukünftiges Engagement.
Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugendliche, Integration und Verbraucherschutz. Im Juli fand nun die erste Zukunftswerkstatt in Diez statt – in der Rhein-Lahn-Zeitung ist ein schöner Artikel darüber erschienen:

Von Andreas Galonska, aus der Rhein-Lahn-Zeitung Diez

Perspektiven für die Integration erarbeitet

Zukunftswerkstatt sorgte für Workshop zu vielen Themenkomplexen

Der große Flüchtlingsstrom ist längst deutlich zurückgegangen, was aber nicht bedeutet, dass sich in Sachen Integration keine neuen Fragen stellen. Christiane Beule vom Diezer Willkommenskreis hatte daher in das Gemeindehaus der Herz-Jesu-Gemeinde in Diez eingeladen, wo unter der Leitung der Koordinierungsstelle ehrenamtlicher Aktivitäten im Flüchtlingsbereich in Rheinland-Pfalz viele Probleme bei einem Workshop angesprochen wurden. Dabei wurde nicht auf Frontalunterricht, sondern auf das Ausarbeiten von Themen in Kleingruppen gesetzt, die dann wieder in größerer Runde zur Besprechung zusammenkamen. „Auch nach dem großen Boom im Jahr 2015 kommt es darauf an, dass Integration gelingt“, betonte Katja Benkel von der Koordinierungsstelle in Bad Kreuznach. „Es gibt jetzt oft andere Aufgaben, die die ehrenamtlichen Helfer zu bewältigen haben“, fügte Katja Benkel an.

In einem ersten Schritt wurde in drei Kleingruppen diskutiert, was aus der jeweiligen Sicht nicht gut läuft bei der Integration in Diez und der Umgebung. Dazu wurden zahlreiche verschiedene Punkte genannt und unter der Moderation von Chris Ludwig den Oberbegriffen Behörden, Frauen, Wohnen, Freizeit, Tagesstruktur, Begegnung oder Mobilität zugeordnet. Themen, die nirgends gepasst haben, wurden zunächst in einen Themenspeicher gesteckt. Ein Problem für die Flüchtlinge besteht darin, Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erhalten. Oft haben sie entsprechende Qualifikationen in ihrem Heimatland erworben, doch fehlen die nötigen Zeugnisse oder Zertifikate. Als essenziell wichtig wurden von den Migranten Kenntnisse der deutschen Sprache angesehen, die überhaupt den Schritt in die Arbeitswelt möglich machen.

Aber auch dabei hapert es, wenn beispielsweise für lernwillige Frauen keine Kinderbetreuung vorhanden ist. Die Teilnehmer kritisierten, dass Bildungsangebote von privater Seite inzwischen stark kommerzialisiert seien. Privaten Anbietern gehe es dabei in erster Linie um das Geschäft, nicht um die Hilfe.

Die Suche nach bezahlbaren Wohnungen gestaltet sich für viele Flüchtlinge ebenfalls schwierig. Wenn sich günstiger Wohnraum in einer kleinen Gemeinde findet, dann werde es mit der Mobilität problematisch.

Generell wurden Begegnungsängste als Problem benannt. „Zu wenige Deutsche interessieren sich überhaupt für die anderen Kulturen“, hieß es dazu bei anderen Teilnehmern der Zukunftswerkstatt. Kinder von Flüchtlingen bleiben in Schulen oft unter sich, wenn sie bei den ersten Versuchen, sich auf Deutsch auszudrücken, nur Gelächter ernten.

Bemängelt wurde außerdem, dass Existenzgründerseminare für Flüchtlinge Mangelware seien. Vor allem bei jungen Männern ergeben sich wegen der vielfach fehlenden beruflichen Perspektiven heftige Enttäuschungen bis hin zur Frustration.

Auch gegenüber dem Diezer Willkommenskreis wurden einzelne Kritikpunkte geäußert. Teilnehmer wünschen sich beispielsweise längere Öffnungszeiten. Überhaupt wurde der Bedarf an Anlaufstellen als sehr groß bezeichnet. Dabei wurde aber auch darauf verwiesen, dass es vonseiten der AWO eine Ansprechpartnerin gibt, die sich unter anderem der Probleme mit dem Jobcenter annimmt. Mitarbeiterinnen im Bereich der Diakonie kümmern sich um alle Fragen rund um Soziales und um Asylanträge. Als hilfreich wurde angesehen, wenn sich Flüchtlinge, die bereits gut in Deutschland Fuß gefasst haben, mit neu angekommenen Flüchtlingen befassen und ihnen aus erster Hand den Weg zur Integration schildern können.

Nachdem verschiedene Zettelfelder auf dem Fußboden mit den entsprechenden Karten mit Problemen belegt waren, forderte Chris Ludwig alle Teilnehmer auf, sich auf einen Platz mit einer Thematik zu stellen, die als besonders wichtig angesehen wird. Danach ging es wieder in kleinere Gruppen, die zum jeweiligen Punkt eine Utopie entwickeln sollten. Gemeinsam wurde danach versucht, aus den Wunschvorstellungen Schlüsse für ein konkretes Handeln zu ziehen. Chris Ludwig kündigte an, dass bei einem weiteren Termin im September die Koordinierungsstelle dann sehen will, wie sich dieser Prozess entwickelt hat.

Einsatz für ehrenamtliche Helfer

Das rheinland-pfälzische Integrationsministerium hat im Jahr 2015 das Pfarramt für Ausländerarbeit in Bad Kreuznach mit der Einrichtung der Koordinierungsstelle „Ehrenamtliche Aktivitäten in Rheinland-Pfalz im Flüchtlingsbereich“ beauftragt. Ziel war die Unterstützung und Vernetzung von Ehrenamtlern, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind. Hinzu kommt der Austausch mit den Fachbehörden auf Landesebene, die im Bereich der Flüchtlingsarbeit tätig sind.

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung Diez

 

 

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