Pressemitteilung 16.10.2020: Professor Dr. Gerhard Trabert im Online- Gespräch mit Teilnehmer*innen aus der Flüchtlingsarbeit: „Die Schande Europas sind die Lager auf den griechischen Inseln“

Die Vernetzung und Fortbildung Ehrenamtlicher in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit ist in Zeiten der Pandemie erschwert, die Weiterentwicklung des Engagements ist aber notwendig. „Aktiv für Flüchtlinge RLP“, die landesweite Stelle für Begleitung dieser Arbeit bietet in dieser Zeit zusammen mit dem AK Asyl- Flüchtlingsrat RLP e.V. durch digitale Angebote eine gute Möglichkeit der Weiterbildung.

Kaum ein Thema beschäftigt in diesen Wochen die Engagierten so, wie die Vorgänge auf Lesbos nach dem Brand des Flüchtlingslagers in Moria. Es gab schon lange eine starke Forderung nach Aufnahme von vielen Geflüchteten, nicht nur aus diesem Lager. Nach dem Brand und den quälenden Bildern und Berichten danach war für viele Bürger das Maß voll, Empörung wurde zu Wut über die inhumane Flüchtlingspolitik, aber auch zur Ohnmacht.

Der bekannte Sozialmediziner Dr. Gerhard Trabert hatte sich nach Rückkehr von seinem letzten Hilfseinsatz in Moria zu einem Online- Vortrag über die Verhältnisse auf der Insel und ein Gespräch über Möglichkeiten der Unterstützung, aber auch über den Umgang mit der eigenen Hilflosigkeit bereiterklärt. „So viele Anmeldungen zu dieser Veranstaltung zeigen uns, wie aufwühlend das Thema für viele Bürger*innen bei uns ist. Auch wenn uns klar war, dass es keine leichte Lösung für dieses komplexe Problem gibt, wollten wir zumindest die Möglichkeit bieten, Informationen aus erster Hand zu bekommen“ erklärt Okka Senst, die den Abend moderierte.

Geschockt waren die Teilnehmer*innen bei vielen Schilderungen von Prof.Trabert, welche auch die Öffentlichkeit bei uns noch nicht umfassend erreicht haben: „Es gibt berechtigte Zweifel an den Brandursachen. Menschen haben alles verloren, was sie besaßen. Nach dem ersten Brand gab es einen zweiten, vor dem die Menschen durch die örtliche Polizei gewarnt wurden. Da steckt doch ein Plan der Abschreckung und Repression dahinter! Es gibt auch mehrere Todesopfer, mindestens 3 Kinder und 2 Frauen sind ums Leben gekommen. Angehörige wurden nach Todesfällen, auch bei früheren, schnell aufs Festland evakuiert. So können diese Todesfälle unter den Teppich gekehrt werden.“ Dem Leid ein Gesicht zu geben ist eine der Ideen von Gerhard Trabert, der sich bei vielen Auslandseinsätzen für notleidende Menschen engagiert hat. Abdulkarim, ein junger kriegsverletzter Syrer ist da zu einem Symbol für viele andere Menschen in diesen Lagern geworden. Bilder von seinen Beinen mit entzündeten Rattenbissen, die er wegen seiner Querschnittslähmung nicht abwehren konnte, haben in den sozialen Medien viele Menschen geschockt.  Tatsächlich haben sie auch mit beigetragen, dass nicht nur konkrete Hilfe und Unterstützung für die Menschen auf Lesbos mobilisiert wurde, sondern vor allem auch dazu, dass große Teile der Zivilgesellschaft für die Evakuierung der Lager auf die Straße gegangen sind. „Es ist wichtig für die Menschen in Lesbos, dass sie sehen, dass wir sie nicht vergessen“ fasst Noah Müller von Aktiv für Flüchtlinge RLP am Ende der Veranstaltung eines der Statements aus dem Chat während der Veranstaltung zusammen.  Die Teilnehmer*innen erfuhren auch, dass Spenden nur an sehr ausgewählte Organisationen gehen sollten, da nicht immer klar ist, wo sie landen.

Das Team von Aktiv für Flüchtlinge RLP rief so auch hinterher noch einmal dazu auf, Spenden an den Verein „Armut und Gesundheit“ von Gerhard Trabert zu überweisen auf das Konto IBAN:  DE24 5519 0000 0001 9190 18 unter dem Stichwort „Moria“. Einen besseren Garanten für die gute Verwendung der Gelder kann man ja kaum bekommen.  Dass die politischen Aktionen und die Öffentlichkeitsarbeit für die verstärkte Aufnahme von Geflüchteten von den Grenzen Europas weitergehen, ist für die Teilnehmer*innen aber ebenso wichtig.

Pressekontakt:

Aktiv für Flüchtlinge RLP
Okka Senst
Tel. 06131 / 4924736
E-Mail: ehrenamt@asyl-rlp.org


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