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fluechtlingshilfe.ch

Fremde Gewohnheiten

Menschen, die ihre Heimat verlassen, verlassen auch ihren „gewohnten Raum“, in dem sie die Sprache wie auch die Regeln des Zusammenlebens beherrschen und Werte und Normen kennen. Jetzt sind sie in Deutschland und erleben, dass ihre „Regeln“ und Werte nicht mehr genauso oder gar nicht mehr funktionieren. Manchmal erleben sie auch, dass etwas einst als normal Erlebtes hier Ablehnung hervorruft oder nicht verstanden wird.

Nicht selten werden ihre Gewohnheiten schlicht als „fremde Kultur“ abgestempelt und im gleichen Atemzug als „nicht fortschrittlich/ noch unterentwickelt“ abgewertet. Das Fremdsein wird oft auf den ganzen Menschen und auf alle ähnlich Aussehende übertragen. Dabei wird oft vergessen, das Kultur weder etwas Feststehendes ist, noch etwas, das einen Menschen völlig durchdringt. Ein Mensch kann aus Afghanistan kommen und dem muslimischen Glauben angehören. Gleichzeitig aber auch Frau, Schwester, Architektin, Beatles- oder Stones-Fan, eine sehr gute Fußball-Spielerin und enorm schlechte Sängerin sein, die gerne Lakritze isst und Alsterwasser trinkt. Aspekte, die die Identität der Person genauso ausmachen.

Unterschiede in den Gewohnheiten gibt es schließlich auch innerhalb Deutschlands. Das merken jetzt schon all jene, die eben schnell Alsterwasser gegoogelt haben. Hält man sich schon im Nachbar-Bundesland auf, kann es jeder*m passieren, plötzlich missverstanden zu werden. 

Es ist nicht einfach, etwas, das einst normal war, in Frage zu stellen und sich nun auf etwas Neues einzulassen. Dies erfordert Rücksicht von beiden Seiten, birgt aber auch Potenzial, das eigene Normal anders wahrzunehmen und vielleicht auch zu hinterfragen. Es könnte unter Umständen sein, dass das als fremd empfundene gar nicht so befremdlich ist. Regeln und Normalitäten sind menschengemacht und können sich dementsprechend verändern. Auch die eigenen. So lohnt es sich für alle Beteiligten, sich offen gegenüberzutreten und kennenzulernen!

Fremde Sprache

Wörter, so sagen manche schlauen Köpfe, sind geronnene Wirklichkeit.

Ähnlich verhält es sich mit der Sprache. Wörter sind nicht nur leere Hülsen, sie sind mit Bedeutung gefüllt. Wir übersetzen das Wort schnell in eine andere Sprache – doch „übersetzen“ wir auch die Bedeutung angemessen? Bedeutet zum Beispiel das Wort „Kind“ überall das gleiche bzw. was bedeutet es in verschiedenen Ländern Kind zu sein? Es wird schnell klar, dass zwar das Wort das gleiche ist, sich die Bedeutung jedoch vielfältig unterscheiden kann.

Nun wollen wir uns verständigen, das heißt erst einmal nicht bewerten, sondern verstehen. Verstehen, dass nicht nur das Wort anders sein kann, sondern in dem Wort ein Stück Herkunft enthalten ist. Denn mit Hilfe von Sprache, der Art und Weise sich auszudrücken, wird die soziale Wirklichkeit gebaut und gleichzeitig auch die eigene Identität geformt.

Zuhören und etwas Neues zulassen, eine Unsicherheit zunächst einmal aushalten und kritisch die eigenen Normalitäten und Werte betrachten – das ist der erste Schritt in Richtung Verständigung.

Wenn Sie zum Beispiel mit jemandem Deutsch lernen, bietet sich die Möglichkeit, die eigene Sprache neu zu entdecken und gleichzeitig eine andere kennenzulernen.

Sicherlich gibt es immer wieder Missverständnisse und lustige Erlebnisse, das gehört dazu und ist wohl überall so.


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